Hr. Dr. Hilzensauer ist Spezialist für Kreuzbandchirurgie. Er war nach Abschluss seiner Facharztausbildung bei einem der renomiertesten Knie- und Kreuzband-Spezialisten Deutschlands tätig. Den vorderen Kreuzbandersatz mit Quadrizepssehnen- Transplantat etablierte er nach seiner Niederlassung 2000 im Zentrum Orthopädie Limburgerhof. Nach Hospitationen in Naples, USA führte er 2010 die minimalinvasive  all-inside-Kreuzband-Technik als einer der Erstanwender in Deutschland ein.

 

RUPTUR DES VORDEREN KREUZBANDES

vordere Kreuzbandplastik in "All - Inside" Technik

ALLGEMEINES

Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine häufige und schwerwiegende Verletzung beim Sport. Jährlich werden in Deutschland ca. 80.000 Rupturen diagnostiziert. Besonders viele Betroffene gibt es bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, häufigen Beschleunigungsreaktionen und Drehbewegungen (Rotationsbelastung), wie sie vorwiegend beim Fußball, Tennis, Basketball, Volleyball und alpinem Skilauf vorgekommen. Hierbei spielen Schuhwerk (Stollenschuhe) und Untergrund (Rasen, Asche, Sand) eine Rolle. Die häufigsten Begleitschäden aufgrund der genannten Verletzungsmechanismen sind Außenmeniskusläsionen, Knorpelschäden, eine Knochenkontusion sowie eine Beteiligung des Innenbandes.

DIAGNOSTIK

Klinisch klagen die Patienten über Schmerzen und berichten häufig über ein „Knacken“ im Knie beim Unfallereignis. Neben der klinischen Untersuchung mit Beurteilung der Beweglichkeit, Stabilität und Funktionalität des verletzten Gelenkes hat die Bildgebung (Röntgen und MRT) einen hohen Stellenwert, um frühzeitig intra- u. extraartikuläre Strukturen zuverlässig beurteilen zu können. Hier wird, je nach Ausmaß der Instabilität und dem weiteren Wunsch des Patienten zur sportlichen Aktivität, eher zum operativen Vorgehen geraten, um die Stabilität des Kniegelenkes wieder herzustellen.

MINIMAL INVASIVE OP-TECHNIK "ALL-INSIDE"

Bei dieser Technik zur Versorgung von Rissen des vorderen Kreuzbandes handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, welches  zum einen geringere Schmerzen im Anschluss an die Operation und eine raschere Mobilisierung, zum anderen auch bessere kosmetische Ergebnisse durch kleine Hautschnitte ermöglicht. Es ist auch zur Versorgung der kindlichen Verletzung unter weitgehender Schonung der Wachstumsfugen geeignet.

Im Gegensatz zu bisher angewandten Techniken werden  die Semitendinosus- und ggf. die Grazillissehne, aus der das neue Kreuzband gefertigt wird, im Bereich der Kniekehle über einen kleinen Hautschnitt entnommen und jeweils gedoppelt, sodass sich daraus ein Vierfach-Transplantat ergibt.



Die primäre Reisskraft  eines solchen Quadruple-Hamstring-Transplantates ist ungefähr doppelt so hoch wie die Reisskraft des normalen menschlichen vorderen Kreuzbandes. Weiterhin erreicht dieses Transplantat die Steifheit eines normalen vorderen Kreuzbandes. Bewegungseinschränkungen sind nachgewiesenermassen seltener. Die maximale Reisskraft des Quadruple-Hamstring-Transplantates ist noch höher als das der Patellasehne.
Die Kanäle, in die diese Sehne später einwachsen wird, werden vom Inneren des Kniegelenkes durch spezielle Instrumente nach aussen gebohrt und sind kürzer als die bisher verwendeten. Dadurch sind keine kompletten Bohrkanäle mehr nötig und es resultiert damit nur ein minimaler Knochenverlust. Durch den weitgehenden Erhalt der äusseren Knochenschale (Kortikalis) ist der Eingriff schonender, da weniger Knochensubstanz verloren geht und das Gewebe besser geschont wird, woraus sich die Schmerzreduktion im wesentlichen begründet. Das Risiko der Infektion durch das "geschlossene System" wird verringert.

  

Die Verankerung der Sehne erfolgt sowohl am Oberschenkel als auch am Schienbein mit sog. ACL-TightRopes, kleinen Titanplättchen, die aussen dem Knochen anliegen und damit ein Ausreissen des Bandes verhindern. Somit wird ausser dem Nahtmaterial kein Fremdkörper in den Knochen eingebracht. Die Sehne kann während der Operation auch bei Bedarf nochmals nachgespannt werden. Durch dieses "Feinjustieren" lässt sich eine optimale Bandspannung und damit Stabilität erreichen.

REHABILITATION UND PRÄVENTION

Die postoperative Rehabilitation ist langwierig und stellt eine sehr wichtige Komponente der Behandlung dar. Hier muss dem Transplantat die Möglichkeit gegeben werden, in den Knochen einzuheilen. Aus diesem Grund wird die Sportfähigkeit nach einer operativen vorderen Kreuzbandplastik oft erst nach 6 Monaten erreicht. Unter idealen Bedingungen, welche, neben dem vorderen Kreuzbandriss, von den zusätzlichen Begleitschäden abhängen, können ca. 90 % der Spieler mit der genannten Operationstechnik zu ihrem vorherigen Leistungslevel geführt werden.

  • 1. Trotzdem kann damit gerechnet werden, dass Kraulschwimmen und Ergometertraining schon früh, 4 – 6 Wochen postoperativ, durchgeführt werden kann.

  • 2. Wir wissen heute, dass die sog. Bio-Transformation des Transplantates, d. h. die Umwandlung der eingebrachten Sehne zum Kreuzband in 4 – 6 Monaten postoperativ geschieht.

 

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